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Umbrüche




Es gibt Phasen im Leben, in denen alles im Wanken zu sein scheint. Zeiten, in denen ein wichtiger Lebensbaustein wegbricht, ohne Klarheit darüber, was als Nächstes kommt. Viele Menschen nennen das eine Krise. Ich nenne es das Dazwischen.


Das Dazwischen – ein Ort ohne Namen

...in dem das Alte geht und das Neue noch keinen Namen hat. Da entsteht ein Raum, der sich alleine oft nur schwer aushalten lässt. Kein fester Boden mehr unter den Füssen, aber auch noch kein neues Ufer in Sicht.

Genau dieser Zwischenraum ist in der Anthropologie als liminale Phase beschrieben worden – ein Begriff, den der Ethnologe Arnold van Gennep prägte und der später von Victor Turner weiterentwickelt wurde. Sie meinen damit einen Übergangszustand: die alte Ordnung ist aufgelöst, die neue noch nicht etabliert.

In traditionellen Kulturen wird dies oft durch Rituale begleitet – Übergangsriten, die Halt und Struktur geben. Heute müssen wir diesen Übergangszustand häufig alleine durchqueren.


Umbrüche haben viele Gesichter

Ein Umbruch kündigt sich nicht immer an. Er kann durch Vieles ausgelöst werden, durch eine Krankheit, den Verlust eines geliebten Menschen, durch Burnout, eine erzwungene berufliche Veränderung, das Ende einer Beziehung, einen Umzug, den Übergang in den Ruhestand, finanzielle Probleme oder zwischenmenschliche Konflikte.

So unterschiedlich diese Auslöser auch sind – sie haben oft etwas gemein: Sie werfen uns auf uns selbst zurück. Sie lösen intensive Gefühle aus – Angst, Trauer, Wut, manchmal auch Erleichterung. Und sie stellen uns oft die grossen Fragen: Wer bin ich, wenn das, was mich bisher definiert hat, nicht mehr da ist? Was zählt jetzt wirklich für mich?


Die Krise als Ausgangspunkt

Eine Phase, die oft schmerzhaft, aber auch ein wertvoller Ausgangspunkt für echte Veränderung sein kann. Gerade ein Umbruch zwingt uns manchmal zu einer Ehrlichkeit mit uns selbst, die in unserem Gewohnten vielleicht nicht nötig war, oder aber keinen Raum hatte.

Viele Menschen bezeichnen im Rückblick gerade ihre schwierigsten Lebensphasen als die wichtigsten Wendepunkte ihres Lebens. Eine Zeit, in der sie sich, ausgelöst durch diese Krise, begonnen haben, mit sich selbst und vielen Themen ehrlich auseinanderzusetzen.


Was in dieser Phase wirklich hilft

Aus meiner Erfahrung - als Coach und Mensch - weiss ich: Die Antworten sind bereits da, liegen aber oft verschüttet unter Angst, Zeitdruck oder der lauten Stimmen anderer.

Was in dieser Phase hilft, ist kein oberflächlicher Rat, keine schnelle Lösung . Sondern vielmehr:

  • ein Raum, in dem die eigenen Gedanken laut werden dürfen, ohne bewertet zu werden

  • jemand, der hilft, die eigene innere Stimme wieder hörbar zu machen, wenn sie unter Stress verstummt ist

  • der Mut, immer wieder neu aufzubrechen – auch wenn der nächste Schritt noch nicht ganz klar ist

Jeder Schritt in diesem Prozess bringt mehr Klarheit. Und jeder neue Aufbruch stärkt das Vertrauen in die eigene Fähigkeit, auch das nächste Dazwischen zu meistern.

 
 
 

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